Kohle Protest

 Kohlekraftwerk DATTELN

Bundesland: Nordrhein-Westfalen

Betreiber: E.on E.on

Kraftwerk zu dicht an Wohnsiedlungen gebaut

Planungsstand

Bebauungsplan:
gerichtlich für unwirksam erklärt

Genehmigungsverfahren: muss nach Gerichtsentscheid neu gestartet werden

 

Das Milliarden-Projekt steht auf der Kippe, seitdem das Oberverwaltungsgericht Münster den Bebauungsplan für das bereits seit Anfang 2007 im Bau befindliche E.on-Kohlekraftwerk im September 2009 für unwirksam erklärt hatte.

Sowohl die regionale Planungsbehörde sowie die Stadt Datteln versuchen den Kohlekraftwerks-Schwarzbau mithilfe rechtlicher Winkelzüge nachträglich zu legalisieren. Derzeit läuft eine Regionalplanänderung zugunsten von Datteln 4. 

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Vorhaben: E.on baut den in Europa größten Steinkohle-Kraftwerk-Monoblock mit einer Leistung von 1.050 MW am südöstlichen Stadtrand von Datteln unmittelbar am Dortmund-Ems-Kanal und an der Grenze zum benachbarten Waltrop. Durch den Neubau eines Kraftwerksblocks will der Konzern seine Kapazitäten am Standort Datteln verdreifachen. Lediglich die ab dem Jahre 1964 gebauten Blöcke A bis C mit einer Leistung von insgesamt 300 MW sollen stillgelegt werden.

Bau weit fortgeschritten

Das Kohlekraftwerk ist seit Anfang 2007 in Bau, auf der Baustelle ragt bereits der 180 Meter hohe Kühlturm in den Himmel.

E.on hat für das Kraftwerk im Januar 2007 bereits den sog. immissionschutzrechtlichen Vorbescheid sowie fünf einzelne Teilgenehmigungen (von Februar 2007 bis Oktober 2008) erhalten. Eine Teilgenehmigung steht noch aus. 

Nach der erfolgreichen Klage gegen den Bebauungsplan (s.u.) wurden im Frühjahr 2010 alle Kraftwerksgenehmigungen von der Genehmigungsbehörde (Bezirksregierung Münster) für rechtswidrig erklärt. 

Klage gegen Bebauungsplan erfolgreich! 

Der Rat der Stadt Datteln verabschiedete am 15. Januar 2007 den Bebauungsplan für das E.on-Kohlekraftwerk. Mehr als zweieinhalb Jahre später – genau am 3. September 2009 -  entschied das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster, dass der Bebauungsplan für das Kohlekraftwerk erhebliche Mängel aufweist und deshalb unwirksam ist. Eine Revision zum Urteil hat das OVG nicht zugelassen.

Dieses Urteil ist ein riesiger Erfolg eines mutigen Landwirte-Ehepaars, das als Privatkläger am 19. Oktober 2007 eine Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan eingereicht hatte.

Als Grund für seine Entscheidung führte das Gericht insgesamt neun schwere Planungsfehler an, darunter u.a.:

- die Planung am vorgesehenen Standort verstoße gegen Ziele der Landesplanung, da der Landesent-wicklungsplan als Standort für ein Großkraftwerk ein von der Wohnbebauung weiter entfernt liegendes Gebiet im Nordosten der Stadt vorsehe (die Anlage liegt knapp 400 Meter nahe an einem Wohngebiet);

- Vorgaben zur ressourcen- und klimaschonenden Energienutzung in der Landesplanung seien nicht ausreichend berücksichtigt worden, ebenso wie  

- Vorgaben zum Schutz der Bevölkerung (z.B. Lärmschutz und Störfall).

Das Urteil des OVG bestätigte die Auffassung der Kohlekraftwerksgegner, dass das Kraftwerk entgegen der Behauptung von E.on und der Stadt Datteln keinen Beitrag zum Klimaschutz leistet:  „Tatsächlich ist jedoch nicht ansatzweise sichergestellt, dass das Kraftwerk, das selbst einen erheblichen Ausstoß von Treibhausgasen verursachen wird, insgesamt zu einer Reduzierung beiträgt.

Die ausführliche Urteilsbegründung des OVG Münster finden Sie hier

Rechtsanwalt Philipp Heinz, der die Privatkläger vertritt, erklärte zum Gerichtsurteil: „Jeder einzelne, der vom Gericht gerügten Punkte, hätte ausgereicht, den Bebauungsplan für unwirksam zu erklären. Eine derartige Anhäufung von gravierenden Fehlern in einem Milliardenprojekt ist einzigartig. Planungsrechtlich ist das Urteil für die Stadt Datteln und E.on absolut vernichtend.“ (DUH-Pressemitteilung vom 17.9.2009).

Juristisches Tauziehen um Kraftwerksneubau

Seit der Entscheidung des OVG ist in NRW der Rechtsstreit um den Weiterbau des umstrittenen Milliardenprojekts entbrannt.

BUND und Privatkläger klagen auf Baustopp

Mitte September 2009 reichen der Privatkläger sowie der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) NRW Klage für einen Baustopp beim OVG Münster ein. Sie argumentieren, dass mit der Unwirksamkeit des Bebauungsplans den immissionsschutzrechtlichen Kraftwerksgenehmigungen die Grundlage entzogen sei.  

Vorerst keine weitere Genehmigung

Die Bezirksregierung Münster (Genehmigungsbehörde) entschied nach dem Urteil des OVG Münster, vorerst keine weiteren Genehmigungen zu erteilen. Das Kraftwerk verfüge „derzeit über keine gesicherte Grundlage mehr“ (Pressemitteilung der Bezirksregierung vom 9.10.2009). Damit fehlt E.on noch weiterhin die sechste Teilgenehmigung (Stromzuleitung und eine Abwasserleitung).

Genehmigungsbehörde verhängt teilweisen Baustopp

Allerdings verhängte die Bezirksregierung nach dem Urteil des OVG nur einen Baustopp für Teilbereiche der Dattelner Kraftwerksbaustelle. Sie wies die Anträge von BUND und dem Privatkläger auf einen völligen Baustopp zurück.

Im Hinblick auf die vierte und fünfte Teilgenehmigung bleiben jedoch wichtige Bauarbeiten untersagt: Alle Arbeiten am Gleisanschluss, dem Kohlebunker sowie -lager, dem Ammoniaklager und weiteren wichtigen Einrichtungen.

Stadt Datteln und E.on klagen gegen Gerichtsentscheidung - erfolglos!

Sowohl E.on als auch die Stadt Datteln legten gegen die Nichtzulassung der Revision durch das OVG beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Beschwerde ein. Doch das Bundesverwaltungsgericht bestätige das Urteil des OVG und erklärte am 16. März 2010 den bisherigen Bebauungsplan endgültig für unwirksam.

E.on beantragt neuen Bebauungsplan - Stadt Datteln bringt ihn auf den Weg

Nur einen Tag später, am 17. März 2010, beschloss der Rat der Stadt Datteln einen neuen Bebauungsplan für das E.on-Kohlekraftwerk auf den Weg zu bringen. Mit 23 zu 16 Stimmen entschieden die Stadträte sich dafür, ein neues Verfahren zur Genehmigung des umstrittenen Kohlekraftwerks zu beginnen. Der Antrag der CDU auf geheime Abstimmung führte zu Unmutsäußerungen aus dem Publikum. Der Energiekonzern E.on hatte im Dezember 2009 bei der Stadt Datteln für das Kohlekraftwerk einen Antrag für einen neuen Bebauungsplan gestellt.

E.on verschiebt Zeitplan

Anfang Juni 2010 verkündete E.on, dass das Kohlekraftwerk nicht wie ursprünglich 2011 in Betrieb geht, sondern frühestens im Jahre 2012.

 

Protest vor Ort

Sowohl in Datteln als auch im benachbarten Waltrop sind Bürgerinititaiven gegen den E.on Schwarzbau aktiv. Die Interessensgemeinschaft Meistersiedlung vertritt die Anliegen der direkt am Kraftwerksstandort wohnenden Menschen und fordert von den verantwortlichen Politikern "Recht muss Recht bleiben!". Ein Waltroper Landwirteehepaar von der Initiative "Bürger informieren Bürger (B.i.B.) Waltrop" hatte das legendäre Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster gegen Datteln 4 im September 2009 erwirkt.

Gemeinsam mit dem BUND NRW, der Deutschen Umwelthilfe, der IG Meistersiedlung und B.i.B. startete die klima-allianz deutschland im Oktober 2011 die Kampagne "Nein zu Datteln4!". Das Bündnis wendet sich gegen die Versuche einer nachträglichen Legalisierung des klimaschädlichen E.on-Kohlekraftwerks. Infos unter www.nein-zu-datteln4.de

 

 

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Der BUND NRW ist im Hinblick auf das Genehmigungsverfahren und Protestaktionen stark engagiert. Er führt mehrere Klagen gegen die Genehmigungen für das Kraftwerk und ist ein wichtiger Player in der rechtlichen und politischen Auseinandersetzung um die Folgen des OVG-Urteils gegen den Bebauungsplan für das Kohlekraftwerk Datteln. Durch sein Engagement hatte der BUND bereits verhindern können, dass das Kraftwerk durch die Mitverbrennung von so genanntem "Kronocarb" zu einer getarnten Müllverbrennungsanlage wird.

Auch die Deutsche Umwelthilfe berät und unterstützt die Dattelner Kohlekraftwerksgegner in rechtlicher Hinsicht. Greenpeace beteiligte sich an Protestaktionen.

Breite Proteste gegen eine "Lex E.on"

Als die NRW-Landesregierung aus CDU und FDP im Dezember 2009 die Vorgaben zum Klimaschutz aus dem Landesentwicklungsgesetz streichen wollte, um das Kohlekraftwerksprojekt Datteln doch noch rechtlich zu ermöglichen, regte sich breiter bundesweiter Protest. Binnen weniger Tage beteiligten sich über 63.000 Menschen an einer Protest Online-Aktion des Kampagnennetzwerks Campact und des BUND.

In einem Offenen Brief an die nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden von CDU und FDP rief die klima-allianz deutschland dazu auf, die Vorgaben zum Klimaschutz aus dem Gesetz zur Landesentwicklung (LEPro) nicht zu streichen.

Reaktion auf "Lex E.on": Neue Bürgerinitiative gründet sich

Anfang Februar 2010 gründete sich die "Interessens- gemeinschaft Meistersiedlung" in Datteln. Die "Meistersiedlung" ist die Wohnsiedlung, die am nächsten (ca. 500m) am bestehenden E.on-Kraftwerk liegt. Gründer Rainer Köster erklärte gegenüber dem WDR: "Die Menschen ärgert hier, dass mittlerweile im Landtag Gesetze geändert werden, um das Kraftwerk dann doch zu ermöglichen." Als "politischen Skandal ohne Beispiel" bezeichnet die Bürgerinitiative in der Meistersiedlung die Vorgehensweise der CDU/FDP-Landesregierung

 


Protesthighlights

Juni 2012: Zum Ende der Auslegungsfrist für die frühzeitige Bürgerbeteiligung des neu aufzustellenden B-Plans überreichen BUND, BI's und klima-allianz in einer Aktion eine 350-seitige Stellungnahme mit Kritik am B-Plan Entwurf.

Juni 2012: Das Oberverwaltungsgericht Münster entzieht Datteln 4 - auf Klage des BUND - die immissionsrechtliche Genehmigung.

Juni 2012: Greenpeace organisiert im Rahmen einer Anti-Kohle Fahrradtour eine kreative Performance vor dem Kraftwerk Datteln

Mai 2012: Greenpeace protestiert vor der E.on Hauptversammlung in Essen mit einem Banner gegen den Kraftwerksbau in Datteln

März 2012: Neugründung der Ortsgruppe der Grünen Jugend in Datteln, die sich gegen den Kraftwerksbau zur Wehr setzen will 

März 2012: Unter dem Motto „Nein zu Datteln 4! Recht muss Recht bleiben!“ protestierten über 600 Menschen eindrucksvoll mit einer Menschenkette mit Fackeln an der Kraftwerksbaustelle gegen die Versuche einer nachträglichen Legalisierung von Datteln 4

Februar 2012: IG Meistersiedlung übergibt Minister Remmel anlässlich seines Besuchs in Castrop-Rauxel eine „Anti-Kraftwerkstorte“  

Dezember 2011: BUND-Gruppe Ostvest gründet sich, um sich u.a. verstärkt gegen den Kraftwerksbau zu engagieren 

Oktober 2011: Zum Ende der Auslegungsfrist für die geplante Änderung des Regionalplans zugunsten von Datteln 4 übergeben die klima-allianz deutschland, Umweltverbände und lokale Bürgerinitiativen über 4000 Einwendungen an den Regionalverband Ruhr in Essen. 

Juni 2011: Campact und BUND protestieren vor der Versammlung des Regionalverbands Ruhr gegen eine Regionalplanänderung zugunsten von Datteln 4 

September 2010: Anlässlich des Jahrestages des OVG-Urteils demonstrierten 350 Menschen unter dem Motto „Recht muss Recht bleiben!“ gegen den E.ON-Schwarzbau

März 2010: E.ON und die Stadt Datteln scheitern mit ihrer Beschwerde gegen das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig 

September 2009: Ein Landwirte-Ehepaar aus Waltrop erstreitet ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster, das den Bebauungsplan für Datteln 4 wegen massiver Planfehler für rechtswidrig erklärt  

April 2008: Waltroper Landwirte und der BUND reichen Klage gegen den Vorbescheid und die 1. Teilgenehmigung beim Oberverwaltungsgericht in Münster ein.  

September 2007: 31 Mediziner des Ärzteverbundes Vestnet fordern in einer Resolution die Überdachung des Kohlelagers, um die Staub- und Schwermetallbelastung durch Kohleverwehungen einzudämmen 

April 2007: Bürger aus Waltrop weisen darauf hin, dass E.ON einen Teil der Baustelle illegal auf Waltroper Stadtgebiet errichtet hat. Ohne jegliche Genehmigung und Kenntnisse der Stadtverwaltung wurde dort ein Biotop zerstört und mehrere, teils sehr alte, Bäume gefällt. E.ON muss die illegal genutzte Fläche daraufhin wieder „entzäunen“. 

April 2007: 1. Oster-Widerstands-Camp am Kraftwerksstandort. Nach der Ostereier-Suche machen sich mehrere Kraftwerksgegner bei herrlichem Wetter auf zur E.ON-Baustelle, um das letzte dort verbliebene grüne Fleckchen Erde zu besetzen. 

Februar 2007: Der BUND reicht einen Eilantrag gegen das Kraftwerk Datteln 4 ein und erwirkt einen vorübergehenden Baustopp.  

Dezember 2006: Mit einem weihnachtlichen Infostand in der Waltroper Innenstadt informiert die Initiative „Bürger informieren Bürger“ über die Gefahren des Kohlekraftwerks und steht allen Interessierten Rede und Antwort. Darüber hinaus wird der „b.i.b. Kaffee spezial“ und ein „Kleine(r) Kraftwerks-Krapfen“ angeboten.  

April/Mai 2006: Im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung beim immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren werden 875 Einwendungen von Bürgerinnen und Bürgern gegen das Vorhaben erhoben und in einem 6-tägigen Erörterungsmarathon vorgebracht.  

März 2006: Aus Protest gegen Datteln 4 wird die Kraftwerkszufahrt von einem Dutzend Kritikern aus Datteln und Waltrop blockiert. In Gesprächen, durch Flugblätter und Transparente wird die Belegschaft über die laufende Aktion informiert. 

März 2006: Informationsveranstaltung von Pro Waltrop, BUND, Grüne Liste Waltrop, Wählergemeinschaft Die Grünen Datteln, MegA, B90/Grüne Waltrop, Freie Initiative Waltrop über die Einreichung von Einwendungen gegen das geplante Kohlekraftwerk in Datteln



Planungsdaten

Brennstoff: Steinkohle
Leistung:
1100 MW
Baubeginn:
2007
Inbetriebnahme:
2014 (?)
Wirkungsgrad
: ca. 45%
KWK:
ja, 380 MW
Investition:
ca. 1,2 Mrd.Euro
CO2-Ausstoß:
bis zu 8,2 Mio. t/Jahr

Kontakt vor Ort

Bürger informieren Bürger (B.i.B.) Waltrop

E-Mail: b-i-b(at)online.de

 

IG-Meistersiedlung

E-Mail: admin(at)meistersiedlung.de 

 

Bürgerinitiative MegA

E-Mail: info(at)mega-waltrop.de

 

BUND Ortsgruppe Castrop-Rauxel

Thomas Krämerkämper
E-Mail: thomas(at)kraemerkaemper.de

Informationen zum Verfahrensstand

 

Informationen des BUND NRW zu Datteln 4 und der rechtlichen Auseinandersetzung

 

Sonderseite des Rechtsanwalts Philipp Heinz zu Datteln

 



Kohle-Karte
600 Menschen demonstrierten gegen Datteln 4!
Süßes Nein zu Datteln 4/ Foto: IG Meistersiedlung
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